Aktuelles
24.01.2020

Augenärztlicher Behandlungsstandard gilt nicht für Allgemeinärzte

Das OLG Dresden hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, welcher Behandlungsstandard für Allgemeinärzte besteht und inwiefern ein Facharzt für Allgemeinmedizin die Pflicht hat, Patienten an einen Augenarzt zu überweisen.

OLG Dresden, Beschl. v. 08.08.2019 - 4 U 506/19:

Vorliegend jedoch war angesichts des Beschwerdebildes, das auch nach den Angaben der Klägerin selbst eher mäßig ausgeprägt war, ein lediglich 2 - 3tägiger hausärztlicher Therapieversuch ohne den Hinweis auf die Option einer sofortigen Augenarztüberweisung lege artis.

Ergänzende Hinweise der Anwältin für Medizinrecht

Im vorliegenden Fall suchte die Patienten einen Facharzt für Allgemeinmedizin auf. Sie klagte über ein Fremdkörpergefühl im Auge nachdem sie Gartenarbeit verrichtet hatte. Der Arzt verabreichte ihr antibiotische Augentropfen und empfahl ihr, nach drei Tagen bei Nichtbesserung der Beschwerden wieder vorstellig zu werden. Eine Überweisung an einen Augenarzt ordnete der Allgemeinmediziner nicht an. Die Patientin warf dem Allgemeinarzt einen Befunderhebungsfehler vor. Er habe es unterlassen, eine Spaltlampe einzusetzen, eine Fluoreszin-Anfärbung durchzuführen, sowie die Bereiche unter den Lidern (Ektropionierung) zu untersuchen. Die Patientin meint, damit würde sein Vorgehen nicht dem ärztlichen Standard entsprechen. Das OLG Dresden entschied im Beschluss vom 04.06.2019 - 4 U 506/19, dass entgegen der Auffassung der Klägerin, nicht lediglich ein verbindlicher fächerübergreifender ärztlicher Standard gelte. Die Frage, welche Maßnahmen ein Arzt ergreifen müsse, hänge immer von den in seinem Fachbereich vorausgesetzten Kenntnissen und Fähigkeiten in der jeweiligen Behandlungssituation ab. Im vorliegenden Fall habe die Vorgehensweise des Allgemeinarztes bei der Untersuchung von Augenbeschwerden dem fachärztlichen Standard für Allgemeinärzte entsprochen. Der Fachärztliche Behandlungsstandard für Augenärzte gelte nicht für Allgemeinärzte.

Im Beschluss vom 08.08.2019 - 4 U 506/19 stellte das OLG Dresden klar, dass ein Allgemeinarzt verpflichtet ist, einen Patienten einer fachärztlichen Behandlung zuzuführen, soweit dies erforderlich ist. In dem Fall, dass sich ein Patient mit einem geröteten Auge vorstellt, bestehe die Pflicht zur Überweisung des Patienten an einen Facharzt jedoch nur, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung des Auges bestehe. Lediglich bei unspezifischen Beschwerden könne von einer Überweisung abgesehen werden. In dem hier zu entscheidenden Fall habe der Allgemeinarzt anhand des Beschwerdebildes zu Recht von einer Überweisung an einen Facharzt absehen dürfen. Seine Behandlung sei insgesamt lege artis gewesen.

Es wird fachkundige Unterstützung von spezialisierten Anwälten dringend angeraten. Wir helfen Ihnen gerne - bundesweit!

Suchen
Kategorie
Aktuelles
Tags
Arzthaftung
Arztrecht
BGB
Haftungsrecht
Medizinrecht
Schadensersatz
Schmerzensgeld
Autor(en)


Aigerim Rachimow
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Medizinrecht, Fachanwältin für Arbeitsrecht

Mail: rostock@etl-rechtsanwaelte.de


Mehr erfahren

Wir verwenden Cookies

Entscheiden Sie selbst, ob diese Website neben funktionell zum Betrieb der Website erforderlichen Cookies auch Betreiber-Cookies sowie Cookies für Tracking und Targeting verwenden darf. Weitere Details finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Einstellungen individuell anpassen Einstellungen jetzt speichern Alle Cookies zulassen und speichern
x