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22.01.2020

Häufung von Behandlungsfehlern führt zur Annahme eines groben Behandlungsfehlers

Die Häufung von Behandlungsfehlern kann sich vor Gericht nachteilig auf die Beweislast auswirken. Jüngst führte die Häufung von Behandlungsfehlern zur Annahme eines groben Behandlungsfehlers. .

LG Frankfurt (Oder), Urt. v. 01.12.2019 - 11 O 309/11:

Die Häufung der von den Gutachtern aufgezählten Behandlungsfehler führt im Ergebnis dazu, dass ein grober Behandlungsfehler anzunehmen ist. Folglich werden die von der Klägerin vorgetragenen Leiden als Folge der Behandlungsfehler vermutet.

Ergänzende Hinweise der Anwältin für Medizinrecht

Grundsätzlich hat in einem Prozess jeder die ihm günstigen Tatsachen darzulegen und zu beweisen. Für einen Arzthaftungsprozess bedeutet dies, dass der Patient zunächst beweisen muss, dass dem Arzt ein Behandlungsfehler unterlaufen ist, den der Arzt zu verantworten hat. Zudem muss er den Eintritt eines Schadens beweisen und, dass gerade der Behandlungsfehler für den eingetretenen Schaden ursächlich war.

Kann dem Arzt nur ein leichter Behandlungsfehler nachgewiesen werden, muss der Patient beweisen, dass der Behandlungsfehler kausal für den eingetretenen Schaden war. Kann dem Arzt hingegen ein grober Behandlungsfehler nachgewiesen werden, führt dies dazu, dass der Patient nicht die Kausalität des Fehlers für seine Leiden beweisen muss. Die Leiden werden vielmehr als Folge des Behandlungsfehlers vermutet. Der Arzt muss dann seinerseits beweisen, dass der Schaden nicht auf seinen Behandlungsfehler zurückzuführen ist.

Bislang sind die Gerichte nicht allzu häufig vom Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers ausgegangen. Im vorliegenden Rechtsstreit nahm das LG Frankfurt (Oder) nun einen groben Behandlungsfehler aufgrund der Häufung von Behandlungsfehlern an. Die Klägerin war bei der Beklagten mehrere Jahre lang in zahnärztlicher Behandlung. Nachdem die Beklagte bei der Klägerin erfolglos eine prothetische Versorgung durchgeführt hatte, warf die Klägerin der Beklagten die Verletzung ihrer Aufklärungspflicht vor. Die Klägerin behauptete, sie hätte über alternative Behandlungsmethoden aufgeklärt werden müssen. Das Gericht gab der Klägerin Recht und kam zu dem Ergebnis, dass die Beklagte im Laufe der langjährigen Behandlung mehrfach ihre Aufklärungspflicht verletzt hatte. Allein die Häufung der Behandlungsfehler führte im vorliegenden Fall zur Annahme eines groben Behandlungsfehlers.

Es wird fachkundige Unterstützung von spezialisierten Anwälten dringend angeraten. Wir helfen Ihnen gerne - bundesweit!

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Aigerim Rachimow
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Medizinrecht, Fachanwältin für Arbeitsrecht

Mail: rostock@etl-rechtsanwaelte.de


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