Verdachtskündigung nach dem Verschwinden von 115.000,00 EUR

 

 

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm hatte über eine gegenüber einer Sparkassenmitarbeiterin ausgesprochenen Kündigung zu entscheiden (LAG Hamm, Urt. v. 14.08.2017 - 17 Sa 1540/16).

In der Filiale einer Sparkasse waren 115.000 EUR verschwunden. Sie sollten sich ursprünglich in einem verplombten Geldkoffer der Bundesbank befunden haben. Nach dem Öffnen des Koffers enthielt dieser jedoch lediglich eine Packung Waschpulver und Babynahrung. Der Verdacht richtete sich gegen einen Sparkassenangestellte, welche die Scheine bestellt hatte. Trotz der durch die Sparkasse als Arbeitgeberin im gerichtlichen Verfahren erwähnten Indizien ist das LAG Hamm zu der Einschätzung gelangt, dass diese für eine Kündigung bzw. Verdachtskündigung der Arbeitnehmerin nicht ausreichen. Das Gericht wies darauf hin, dass in Abgrenzung zu einer Kündigung wegen erwiesener Pflichtwidrigkeit eine Kündigung allein wegen eines bestehenden Verdachts nur unter engen Voraussetzungen in Betracht komme. Das gebiete der Schutz des betroffenen Arbeitnehmers. Es sei eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür erforderlich, dass dem betroffenen Arbeitnehmer das in Rede stehende Fehlverhalten tatsächlich vorzuwerfen sei. Eine solche Wahrscheinlichkeit hat das LAG im konkreten Fall nicht erkannt. Im Übrigen rügt das Gericht die im Rahmen einer Verdachtskündigung immer notwendige vorherige Anhörung des Arbeitnehmers; eine solche Anhörung hat nach Meinung des Gerichts nicht stattgefunden.

Ergänzende Hinweise

Aus unserer Sicht bestätigt die Entscheidung des LAG einen schon seit längerer Zeit zu beobachtenden Trend in der Rechtsprechung. Zwar ist die Möglichkeit einer Verdachtskündigung grundsätzlich anerkannt. Die Gerichte stellen jedoch hohe Anforderungen an eine solche Kündigung. Ein einfacher und durch Indizien erhärteter Verdacht reicht für den Ausspruch einer Verdachtskündigung in aller Regel nicht aus. Auch entspricht es unserer Erfahrung, dass viele Arbeitgeber im Vorfeld einer Verdachtskündigung die von der Rechtsprechung geforderte Anhörung nicht ordnungsgemäß durchführen. Unter anderem muss der Arbeitnehmer noch vor Ausspruch der Verdachtskündigung mit den den Verdacht begründenden Umständen umfassend konfrontiert werden.

(Veröffentlichungsdatum: 06.09.2017)

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